Short Story - # 15

Vorgabe: "Und plötzlich waren sie wieder da, die 1000 Fragen."
von: Sabine
Genre: Psychothriller

 

Titel: Unperfekt


Ich sperrte die Tür zu meiner Praxis auf. Wie jeden Tag. Nur dass heute nicht wie jeder Tag sein wird. Als ich an meinen Nachmittagstermin um siebzehn Uhr dachte, wurde ich etwas nervös. Saskia, meine Sprechstundenhilfe, kam in ihren zehn Zentimeter Highheels und dem schwarzen, kurzen Rock der gerade einmal das Wichtigste bedeckte, angetrippelt. «Guten Morgen, Herr Doktor!» Sie sang diesen Satz förmlich. Jeden verdammten Morgen. Ihre Stimme ging mir durch Mark und Bein, doch ich habe mir noch nie etwas anmerken lassen. Schließlich wollte ich sie nicht verärgern, denn es hatte auch etwas Positives für mich, wenn sie jeden Tag wie ein kleines Flittchen angezogen um mich herum tänzelte. Ich versuchte immer korrekt zu sein. «Guten Morgen, Saskia. Haben sie gut geschlafen?», fragte ich sie, obwohl es mich nicht im Geringsten interessierte. «Och. Nun ja. Eigentlich schon, aber es war diese Nacht dann doch wieder sehr einsam.» Sie strahlte mich mit ihren hellblauen Augen an und zwinkerte mir verführerisch zu. Mich wunderte es immer wieder aufs Neue, dass sie so einen langen Atem besaß und mich seit dem Tod meiner geliebten Helena vor fünf Jahren ständig anflirtete.

Gedanklich schweifte ich ab und musste voller Sehnsucht an meine verstorbene Frau denken. Sie war die wunderschönste Frau, die ich in meinem Leben je kennengelernt hatte. Und sie erlaubte mir, sie lieben zu dürfen. «Herr Doktor?» Saskia riss mich unsanft aus meinen kostbaren Erinnerungen. Ich sah sie an und legte fragend meine Stirn in Falten. «Entschuldigung. Wie bitte?» «Ob ich ihnen einen starken Espresso bringen soll?» Sie stütze ihren Oberkörper mit ihren Händen auf meinem Schreibtisch ab und gewährte mir Einblicke in ihren herrlich, prall gefüllten Ausschnitt. Ich konnte nicht anders und musste hinsehen. Ich musste immer hinsehen, wenn eine Frau sich mir so anbot. Schließlich bin ich doch auch nur ein Mann, auch wenn ich mir immer vornahm mich durchwegs professionell zu verhalten. Es gelang mir eben nicht immer. Schon gar nicht bei Saskias perfektem Busen.

Während ich ihr in den Ausschnitt starrte dachte ich mir, dass sie eigentlich ein sehr durchtriebenes Luder ist, denn sie kleidete sich immer sehr aufreizend. Heute trug sie zu ihrem hautengen Rock eine weiße Bluse an derer sie mehr Knöpfe offen ließ, als notwendig gewesen wäre. Als ich bemerkte, dass meine Hose begann zu spannen, kämpfte ich mich von dem herrlichen Anblick los und sah ihr in ihr hübsches Gesicht. «Bitte. Bringen sie mir einen doppelten Espresso. Denn ich glaube mich zu erinnern, dass ich heute Vormittag gleich fünf Patientinnen habe.» «Das ist korrekt, Herr Doktor. Ich bringen ihnen gleich die Krankenakten und ihren Kaffee.» Saskia leckte sich lasziv über ihre perfekten, rot geschminkten Lippen, drehte sich langsam um und gewährte mir einen weiteren Blick auf ihren festen Hintern. Ach, wie ich diesen Körper liebte. Er war einfach perfekt. Genau so soll ein Frauenkörper aussehen und ich hatte es geschafft, ihn zu modellieren. Ich liebte mein Kunstwerk. Leider war Saskia die ganze Angelegenheit nicht so klar wie mir. Sie dachte, dass ich sie so liebe, wie ein Mann auf klassische Weise liebt, doch sie irrte sich. Ich liebte sie als Gesamtkunstwerk. Mein Gesamtkunstwerk.

Natürlich regte sich ab und an etwas in meiner Hose wenn sie sich so anbiederte, doch am liebsten vögelte ich unperfekte Frauen. Frauen, die einen schwabbeligen Hintern hatten, einen zu großen Bauch und kleine Brüste. Schwungvoll öffnete sich die Tür zu meinem Büro und meine Sprechstundenhilfe schwebte herein. Sie stellte die Kaffeetasse rechts von mir ab und legte die Akten vor mir auf den Schreibtisch. Wie zufällig streifte sie mit ihrem Busen meine Schulter, doch ich tat so, als ob ich es nicht bemerkt hatte. Ich atmete laut aus und begann, die Akten durchzublättern. «Kann ich noch etwas Gutes für sie tun, Herr Doktor?», fragte sie offensichtlich enttäuscht. «Danke, Saskia. Das war vorerst einmal alles.» Ich starrte in die Papiere und versuchte, keinen Blickkontakt aufzunehmen.

Der Vormittag verging schnell, auch wenn durchwegs alle Patientinnen mehr oder weniger mühsam waren. Patientin Nummer Zwei wollte eine ehrliche Meinung von mir hören, wie es denn um die Schönheit ihrer Beine stand und ich hatte ehrlich geantwortet. Ich sah mir ihre wenig wohl geformten Beine näher an, nickte ab und zu bestätigend und sah sie danach an. «Wenn wir an der Oberschenkelinnenseite etwa je ein halbes Kilo Fett absaugen und das überschüssige Fett an ihren Knie entfernen, dann werden sie einigermaßen gut aussehen. Da bin ich optimistisch.» Meine Patientin sah mich mit großen Augen an und wirkte völlig verstört. Im Endeffekt saß sie zehn Minuten später vor mir und heulte sich die Seele aus dem Leib. In solchen Momenten verzog ich mich emotional in meine schönsten Erinnerungen mit Helena. Am liebsten dachte ich an unser erstes Date als wir zuerst im Kino und danach in einem französischen Restaurant waren. Im Kerzenschein in der kleinen Nische im Restaurant sah sie so herrlich unperfekt aus. Ihr Lächeln war so natürlich und ihre Brüste wippen sanft auf und ab, wenn sie von Herzen lachte. Und das war der Moment, in dem ich mich unsterblich in sie verliebt hatte. Mit ihren dunklen, feurigen Augen riss sie mir regelrecht den Boden unter den Füßen weg. Ein Jahr später heirateten wir und ich war bestimmt der glücklichste Mann auf der Welt.

Um zwölf Uhr machte sich leichter Hunger bemerkbar und ich überlegte mir auf was ich Lust hatte, oder ob es doch nur die Aufregung und Nervosität war, die sich in meiner Magengegend bemerkbar machte. «Herr Doktor?» Saskia betrat mein Büro und legte mir die Akten für meine Nachmittagstermine auf den Schreibtisch. Obwohl dies nicht so ganz stimmte. Eine Akte fehlte, die lag nämlich sicher verwahrt in der Schublade. «Haben sie Hunger? Ich habe gehört, dass gleich um die Ecke ein neues chinesisches Restaurant eröffnet hat.» Sie sah mich voller Hoffnung an und betete wahrscheinlich insgeheim, dass ich endlich einmal Ja zu ihr sagen würde. Doch so schön sie auch anzusehen war, so wenig interessierte sie mich. «Ich habe keinen großen Hunger.», antwortete ich ihr mit einem leicht gereizten Unterton. «Ich werde eine Runde durch die Altstadt spazieren und mir eine Kleinigkeit am Weg besorgen. Ein anderes Mal vielleicht.» Saskia ließ ihre Mundwinkel nach unten sinken. «Na gut, Herr Doktor. Dann schöne Mittagszeit.» Dieses mal bemühte sie sich nicht, mir ihr Hinterteil vorteilhaft zu präsentieren. Sie verschwand ohne ein letztes Mal zurück zu blicken so wie sie es sonst immer tat. «Vielleicht hat sie es jetzt kapiert.», dachte ich mir im Stillen, zog meine Jacke an und verließ meine Praxis.

Auf meinem Spaziergang konnte ich nur an meinen siebzehn Uhr Termin denken. Genauer gesagt an Katrin. «Eigentlich ein beschissener Name.», sprach ich laut aus, weswegen sich einige Passanten nach mir umdrehten. Ich machte mir aber keine Gedanken darüber. Diese drehten sich nämlich um Katrin. Schnell ging ich nochmals meinen Zeitplan durch. Saskia wird die Praxis um sechzehn Uhr verlassen und für drei Wochen in ihren wohlverdienten Mallorca-Urlaub fliegen. Ich berechnete nochmals die Zeit, wie lange ich benötigen würde, um alles vorzubereiten und kam auf eine gute halbe Stunde. Das lag daran, dass ich mir bereits das Meiste fein säuberlich zurechtgelegt hatte. Der kleine Operationssaal, den ich für die Fettabsaugungen benutzte, wartete auf seinen großen Einsatz. Genau wie ich. Auf dem Rückweg zur Praxis behob ich noch rasch einige hundert Euro und beim Öffnen meiner Geldbörse sah ich wie jedes Mal in Helenas perfektes, unperfektes Gesicht. Ich starrte es minutenlang an, bis jemand hinter mir begann, sich laut zu räuspern. Der Mann dürfte wohl schon länger darauf gewartet haben, dass er an den Geldautomat ran kam. Ich nickte ihm kurz entschuldigend zu und ging rasch in meine Praxis zurück.

Dort angekommen stellte ich fest, dass die Zeit um einiges langsamer vergangen war, als ich es empfunden hatte. Ich hatte noch gut zwanzig Minuten Zeit, um ungestört die Akte von Katrin durchzublättern. Ich fischte sie aus der Schublade und legte sie vor mich auf den Tisch. Meine Unsicherheit verflog in sekundenschnelle und wurde von einer freudigen Erregung abgelöst, als ich die Akte aufschlug und ich als erstes das Ganzkörperbild von Katrin erblickte. Ich hatte sie damals beim Erstgespräch fotografiert, damit ich vergleichen und mir sicher sein konnte. Hinter dem Bild lagen noch einige andere Fotos, die sämtliche Körperteile im Detail zeigten. Und auch diese betrachtete ich nochmals ganz genau. Dabei erinnerte ich mich an den Augenblick, als sie mein Büro betrat und es mir den Atem verschlug. Schüchtern lächelnd trat sie mir damals entgegen und streckte nervös ihre Hand zum Begrüßen aus. Als ich ihre zarte Hand ergriff, durchzuckte es mich wie tausend Blitze und in meinem Sichtfeld tanzten hunderte bunter Lichtpunkte umher. «Fast wie ein Freudentanz.», dachte ich mir verwirrt.

Das Beratungsgespräch lief relativ unspektakulär ab. Sie wollte sich nur darüber informieren, wie so eine Fettabsaugung im Generellen ablief und dass sie gehört hatte, dass ich der Beste auf diesem Gebiet war. Das schmeichelte meinem Ego natürlich sehr. Im Großen und Ganzen konnte ich mich das ganze Gespräch über nur sehr schwer auf ihre Worte konzentrieren, obwohl ihre Stimme so vertraut und wohltuend klang. Ich beäugte eher unauffällig ihre Körperform, ihre sanften Bewegungen und ihre Augen. Wunderschöne dunkle und feurig glänzende Augen. Ich konnte damals noch nicht richtig einschätzen, warum mich diese Frau so unheimlich anzog und sie mir so vertraut vorkam. Während sie mir weiter ihre Unzufriedenheit über ihren Körper darlegte, sah ich zufällig auf den rechts vor mir stehenden Bilderrahmen aus dunklem Mahagoniholz und da ging mir plötzlich ein Licht auf. Sie hatte die fast idente Körperform meiner geliebten Helena. Tausend Fragen schossen mir durch meinen Kopf. Sofort begann ich nervös in meinem Stuhl hin und her zu rutschen und sah immer wieder verstohlen auf das Foto von Helena und danach wieder auf den Körper von Katrin.

Es war einfach unglaublich und ich dachte mir, dass ich träumen musste. Deswegen bat ich Katrin, von ihr ein paar Fotos machen zu dürfen, um sie mir zuhause genauer ansehen zu können. Als Vorwand gab ich natürlich an, dass dies das normale Prozedere vor einer Fettabsaugung war und sie schenkte mir Glauben. Warum auch nicht. Sie hatte schließlich von mehreren Seiten gehört, dass ich der Beste auf meinem Gebiet war. Ich sah auf die Uhr. Gleich würde Saskia von ihrer Mittagspause zurück kommen und mir wieder auf die Nerven gehen, indem sie mit ihrem zu kurzen Rock und ihrer zu offenen Bluse vor meiner Nase umher stöckelte, in der Hoffnung, dass ich sie denn endlich mal am Schreibtisch ordentlich vögeln würde. Ich zog mein Portemonnaie aus der Hosentasche, holte das Bild von Helena heraus und legte es auf das Bild von Katrin, sodass ihr Kopf von Helenas überdeckt wurde. «Meine geliebte Helena.» Ich schloss kurz meine Augen und gab mich meiner Träumerei hin.

«Ich bin wieder hier!», trällerte Saskia durch die geschlossene Tür und holte mich aus meinem Tagtraum. Schnell schloss ich die Akte und lies sie wieder in meiner Schublade verschwinden. «Nur mehr drei Stunden, dann können wir in unseren wohlverdienten Urlaub starten!» Ich musste mich bemühen, lauter als gewöhnlich zu sprechen. Saskia hatte schließlich von Natur aus eine Stimme, die problemlos Wände durchdringen konnte. Ich erwartete eine sofortige Antwort von ihr, doch scheinbar war sie noch beleidigt, dass ich nicht mit ihr in das neue Restaurant gegangen war. «Umso besser.», sagte ich laut zu mir selbst und begann, mir einige Notizen über meine Patientinnen vom Vormittag zu notieren. Der Nachmittag verging im Gegensatz zur Mittagspause sehr schnell und Punkt sechzehn Uhr streckte Saskia ihr perfekt geschminktes Gesicht durch den Türspalt. «Herr Doktor. Ich werde dann mal gehen. Ich habe alle Rechnungen getippt und werde sie am Heimweg zur Post bringen. Ich wünsche ihnen einen schönen Urlaub.» «Vielen Dank! Ich wünsche ihnen auch einen schönen Urlaub. Genießen sie ihn.» Ich sah sie nur kurz an, um jegliche Konfrontation zu vermeiden, doch überraschenderweise nickte sie mir nur kurz zu und verschwand. Ich saß mucksmäuschenstill da und wartete ab, bis die Tür in das Schloss fiel und Saskia verschwunden war. Danach wartete ich noch einige Minuten, um sichergehen zu können, dass sie nicht vielleicht doch etwas vergessen hatte und nochmals zurückkommen würde. Doch es tat sich nichts, außer dass mein Herz aus Vorfreude zu rasen begann und sich wieder der altvertraute Druck in meinem Schritt bemerkbar machte.

Ich stand auf und ging schnurstracks in den kleinen OP-Raum. Schneller als erwartet war ich mit meinen Vorbereitungen fertig und deswegen blieb mir nichts anderes übrig, als in meinem Büro auf den sich sehr langsam bewegenden Uhrzeiger zu starren. Nervös ging ich gedanklich nochmals jeden Schritt durch. In diesem Moment war ich froh, dass ich meinen Wagen bereits heute Morgen im Hinterhof vor der Nebeneingangstür geparkt hatte. Das würde mir die Sache um einiges erleichtern. Fünf Minuten vor dem vereinbarten Termin klopfte es leise an meine Tür. Ich zuckte zusammen. «Es wird ernst.», dachte ich aufgeregt. «Treten sie ruhig ein!» Ich musste mich bemühen, einigermaßen selbstsicher zu klingen. Katrin öffnete vorsichtig die Tür und betrat mein Büro. «Entschuldigung. Ich wollte mich bei ihrer Sprechstundenhilfe anmelden, doch sie war nirgends zu finden.» Sie sah mich mit ihren Augen durchdringend an und wieder begannen hunderte Lichtpunkte vor meinen Augen zu tanzen. «Schon gut. Saskia ist bereits nachhause gegangen. Sie musste heute früher weg, damit sie ihren Flug nach Mallorca erreichen kann.» «Oh! Na gut.» Mehr sagte sie nicht. Ich deutete ihr mit einer Handbewegung an, dass sie Platz nehmen solle und nach einem kurzen Gespräch ging ich mit ihr in den Operationssaal. Fragend blieb sie vor der Liege stehen und sah mich an. «Also machen sie das heute alleine? Brauchen sie dafür keine Hilfe von Saskia?» Ich lachte laut auf und antwortete: «Nein, keine Sorge. Diese Art von Operation führe ich immer alleine durch.» Sie nickte als Zeichen, dass sie mich verstanden hatte und fuhr sich nervös durch ihr Haar. Ganz genau so wie Helena es immer getan tatte. Wie sehr ich sie doch vermisse. «Ziehen sie sich doch schon mal ihre Straßenkleidung aus und schlüpfen sie in den OP-Kittel. Ich lasse sie dabei alleine und komme in einigen Minuten wieder.»

Schnell verschwand ich aus dem Raum und eilte zum Praxiseingang. Mit zittrigen Händen drehte ich den Schlüssel im Schloss um und kontrollierte nochmals, ob die Tür tatsächlich verschlossen war. Einige Male atmete ich tief ein, um meiner Nervosität Herr zu werden. Schließlich konnte ich mir jetzt keine zitternde Hände leisten. Als ich mich beruhigt hatte ging ich wieder zu Katrin, die verloren und verängstigt auf der Liege saß. «Dann fangen wir doch mal an.», sagte ich aufmunternd. Während ich mir meine Hände wusch und sie desinfizierte, redete ich beruhigend auf sie ein. Ich erklärte ihr nochmals das Vorgehen bei der Fettabsaugung und nach einiger Zeit wurde sie tatsächlich ruhiger. Ich nahm die Narkosespritze in meine Hände und schloss kurz die Augen. Sollte ich es wirklich tun? Und plötzlich waren sie wieder da, die tausend Fragen. Für kurze Zeit war ich mir nicht mehr so sicher, doch die Sehnsucht siegte über die Vernunft. Ich trat an Katrin heran und bat sie, sich auf die Liege zu legen. Danach setzte ich die Spritze an und ließ das Serum langsam in ihre Blutbahn laufen. «Muss man nicht für eine örtliche Betäubung direkt an der Stelle, an der man operiert, die Spritze setzen?» Sie sah mich misstrauisch an. «Nein, da täuschen sie sich. Haben sie keine Angst, es wird alles gut werden.» Katrin konnte meine letzten Worte bestimmt nicht mehr hören, da sie bereits in einen traumlosen Tiefschlaf gesunken war.

Ich ging in unser Schlafzimmer in unserem Ferienhaus am See. Genauso wie Helena liebe ich dieses Haus, das von einem stillen Wald umgeben war. Ich setzte mich zu ihr aufs Bett und löste langsam den Verband. Meine Hände zitterten vor Aufregung, weil ich schon so gespannt auf das Ergebnis war. Schicht für Schicht befreite ich ihr Gesicht von dem blutgetränkten Verband und zum Vorschein kam das verquollene aber perfekt unperfekte Gesicht von Helena mit ihrem wunderschönen Körper. Sie schlief noch immer, dafür sorgte ich regelmäßig. Denn ich war der Meinung, dass sie das Kunstwerk erst sehen durfte, wenn alles so gut wie abgeheilt war. Ich beugte mich über ihr Gesicht, küsste sie auf ihre Stirn und die blutverkrusteten Lippen. «Ich liebe dich auf immer und ewig, Helena.», hauchte ich. Dann begann ich die Wunden zu säubern, einen frischen Verband anzulegen und spritzte ihr die tägliche Ration Drogen.


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