Short Story - # 14

Vorgabe: "Ohne meine Katzen geht gar nichts."
von: Anke
Genre: Urban Fantasy

 

Titel: Plappermäuler


»Guck mal, wie viele Haare sie heute wieder auf ihrer Kleidung hat!«
»Ja, unglaublich oder? Mich wundert ja nicht, dass sie keinen Kerl abbekommt. Bei den vielen Viechern in der Wohnung...«
Charly wollte das Getuschel ignorieren, doch es traf sie mitten ins Herz. Es war jedes Mal dasselbe, wenn sie den Pausenraum betrat. Zwar hinter vorgehaltener Hand, aber in einer gut verständlichen Lautstärke, machten sich ihre Kolleginnen über sie lustig. Hastig griff sie nach einer Tasse und angelte sich die Milch aus dem Kühlschrank. Schwungvoll kippte sie einen großzügigen Schluck hinein und stellte sie unter die Kaffeemaschine. Sie wollte diesen Ort so schnell wie möglich wieder verlassen und sich in Arbeit vergraben.
»So viel Milch! Da könnte man ja glatt vermuten, dass sie sich bald selber in eine Katze verwandelt!«, kicherte Dagmar ungeniert und warf Charly einen gehässigen Blick zu.
Das hatte ihr heute gerade noch gefehlt. Anscheinend war sie erneut Gesprächsthema Nummer Eins, ohne auch nur das Geringste dazu beigetragen zu haben. Hatten die eigentlich nichts besseres zu tun?
Wie gerne würde sie ihnen mal so richtig die Meinung geigen, doch dazu war sie zu feige. Lieber machte sie sich unsichtbar und in Situationen wie diesen, versuchte sie ihre Ohren so gut wie möglich zu verschließen. Alles nur albernes Geplapper von Weibsbildern, die nichts anderes als Make-Up und Männer im Kopf hatten. Das war einfach nicht ihre Liga.
Charly war eben anders. Sie liebte lange Spaziergänge im Dunklen, strickte aus Leidenschaft und verbrachte ihre Wochenenden zuhause auf der Couch, eingemummelt in eine dicke Decke und umgeben von ihren schnurrenden Mitbewohnern.
Keine guten Voraussetzungen, um endlich mal einen Mann kennenzulernen. Dabei fühlte sie sich manchmal wirklich einsam.
Mit Menschen hatte sie ihre Probleme. Das galt wohl umgekehrt genauso, wie sie eben wieder feststellen musste. Warum wurde ihr nicht wenigstens ein Mindestmaß an Respekt entgegengebracht?
»Hey, Charlotte!«, rief nun Ruth, die Kollegin, die ihr im Büro genau gegenüber saß, »Was machst du heute nach der Arbeit?«
Ungläubig drehte sich Charly um. Sie war überrascht über den Tonfall, der mehr neugierig als herablassend klang.
Sie räusperte sich und antwortete schließlich: »Es gibt da dieses neue Strickmuster. Ich dachte, heute wäre ein guter Abend, um es auszuprobieren.«
Das Gesicht von Ruth nahm einen verkrampften Ausdruck an, als wollte sie unter allen Umständen vermeiden, laut los zu lachen.
»Ach, schade. Wir ziehen um die Häuser, es ist ja Freitag. Aber wenn du lieber mit deinen Wollknäueln spielst ...«
Neben ihr begann Dagmar hinter vorgehaltener Hand zu prusten.
Charlys Magen zog sich zusammen. Sie klammerte ihre Finger um die dampfende Tasse.
Doch Ruth setzte noch eins drauf: »Weißt du Charlotte, was mit Frauen wie dir passiert? Sie sterben einen einsamen Tod. Und am Ende fressen sie ihre Katzen auf, weil sie tagelang niemand findet!«
Nun lachten beide lauthals.
Erschüttert über so viel Gehässigkeit verließ Charly den Pausenraum.

»Na, Charly? Alles gut bei dir?«, fragte Thomas und packte die Futterdosen in ihre Einkaufstasche. Sie nickte und blickte einen Moment zu lange in seine warmen, braunen Augen.
»Du siehst ein bisschen blass aus, ist alles in Ordnung?« Er runzelte die Stirn unter seinen blonden Locken. Mit zitternden Fingern reichte ihm Charly den Geldschein.
»Nur ein langer Tag, alles bestens ...«, antwortete sie heiser und errötete leicht.
Als er ihr das Wechselgeld reichen wollte, hatte sie ihre Hand bereits wieder in der Manteltasche vergraben und schüttelte nur den Kopf.
Thomas hatte diese Gabe, sie immer schrecklich nervös zu machen. Als sie die Zoohandlung ihres Vertrauens betreten hatte, um die wöchentliche Futterration für ihre Stubentiger abzuholen, war sie kurzfristig ein bisschen enttäuscht gewesen, weil sie Thomas nicht gleich erblicken konnte. Doch ganz plötzlich war er hinter einem Regal aufgetaucht und hatte sie mit einem strahlenden Lächeln an die Theke gebeten. Er war stets unheimlich zuvorkommend, erkundigte sich nach ihrem Befinden und legte das ein oder andere Extra in ihre Tasche. Wie gerne würde sie ihn um ein Date bitten! Doch so ein gutaussehender Typ hatte sicher an jeder Hand fünf Verehrerinnen …
»Charly? Kommst du?«, riss sie seine Stimme zurück in die Wirklichkeit. Er wartete bereits an der Tür. Aufmerksam wie Thomas nun mal war, trug er ihr das schweren Futter zum Auto. Und sie stand da wie ein verstrahltes Eichhörnchen und starrte Löcher in die Luft! Wie peinlich!
»Komme schon!«, stieß sie hervor und hastete mit hochrotem Kopf an ihm vorbei.

Nun war der Tag endgültig gelaufen. Erschöpft ließ sich Charly auf ihre geliebte Couch sinken. Wieder war eine Gelegenheit verstrichen, Thomas um ein Date zu bitten. Dafür hatte sie ihre Eigenartigkeit erneut zum Besten gegeben. Vermutlich war es ohnehin sinnlos.
Lady, ihre hellgraue Angoradame sprang auf ihren Schoß und blickte sie aus ihren strahlend blauen Augen an. Zärtlich kraulte sie die Katze hinter dem Ohr.
»Warum bin ich bloß so seltsam?«, flüsterte Charly mit Tränen in den Augen und Lady schenkte ihr einen tröstenden Stupser mit ihrem Kopf. Nach und nach gesellten sich auch ihre anderen Vierbeiner zu ihr und hüllten sie in kollektives Schnurren.
»Ich wäre so gerne eine Katze!«, seufzte Charly, »dann wäre das Leben um so vieles einfacher! Den ganzen Tag lang schlafen, fressen und spielen. Euch geht’s gut!«
Butters maunzte kläglich.
»Du gibst mir recht, nicht wahr mein kleiner Kerl?«, flüsterte sie. Eine bleierne Schwere legte sich über ihre Glieder. Sie fühlte sich schlagartig unglaublich müde. Als ob jegliche Energie über ein großes Loch aus ihrem Körper sickern würde. Der Tag hatte sie offensichtlich doch mehr gekostet, als ein paar Nerven.
»Ich sollte... dringend... ins Bett...«, stotterte sie schlaftrunken. Während Keks, der kleine Tigerkater, noch mit ihren Haaren spielte, senkten sich bereits ihre Lider und die Dunkelheit verschluckte sie.

»Hey, Charly! Aufwachen!«
Eine unbekannte Stimme drang an ihre Ohren, etwas Feuchtes stupste sie wiederholt ins Gesicht. Stöhnend drehte sie ihren Kopf.
»Gott sei Dank, sie lebt!«, jubilierte eine weitere Stimme.
»Du bist so eine Dramaqueen! Hast du tatsächlich daran gezweifelt? «, antwortete die Erste.
Vorsichtig blinzelte sie. Es dauerte eine Weile, bis sich das Bild klärte. Butters und Lady blickten sie aus großen Augen an, während Keks versuchte, sie in die Nase zu beißen.
»Du kannst jetzt aufhören, sie ist ja schon wach!«, tadelte Snatch den kleinen Kater und schlug mit der Pfote nach ihm, verfehlte ihn und traf Charly mitten ins Gesicht.
Sie war verwirrt. Was war geschehen?
Sie versuchte sich hochzurappeln, doch ihr Körper fühlte sich seltsam taub an.
Ihr Mund war wie ausgedörrt, immer wieder verschwamm der Anblick ihrer vierbeinigen Freunde vor ihren Augen. Wie lange hatte sie geschlafen? Ein Blick aus dem Fenster verriet ihr, dass bereits der nächste Tag angebrochen sein musste.
»Wann gibt’s endlich was zu essen?«, fragte Butters und stupste Charly erwartungsvoll mit der Pfote an.
»Ja gleich, warte nur eine Sek...!«
Mit einem Schlag war sie hellwach. Entsetzt starrte sie auf ihre Katzen, die sich nun alle vier schnurrend um sie drängten.
»Pff, du denkst auch immer nur ans Essen, du fetter Kater!«, bemerkte Lady nun, »ein bisschen Bewegung würde dir nicht schaden!«
»Na warte, du … »!
Mit diesen Worten setzte Butters zum Sprung auf Lady an, die geduckt das Weite suchte, sich auf den Kratzbaum verzog und sich dort ihrer Fellpflege widmete.
»Warum verstehe ich euch plötzlich?«
Vier Augenpaare starrten Charly überrascht an. Sie rieb sich über die Stirn. Das konnte doch gar nicht sein! Sie träumte, ganz sicher. Fest kniff sie sich in den Unterarm, bis sie den Schmerz nicht mehr aushielt.
»Hat Charly eben mit uns gesprochen?! Ich meine, so richtig? Nicht in diesem unverständlichen Menschisch?«, fragte Snatch und blickte zweifelnd zu Keks, den all das ziemlich kalt zu lassen schien. Er war viel zu sehr damit beschäftigt, einer Fliege hinterher zu jagen.
»Jaaa, sieht wohl so aus!«, kam es von Lady, die auf der obersten Kratzbaumetage thronte und nun ebenfalls mit geweiteten Pupillen alles genauestens beobachtete.
»Halloooo? Essen? Jetzt? Ich sterbe hier noch einen tragischen Hungertod!«, quängelte Butters und warf sich mit vollem Körpereinsatz gegen Charlys Oberschenkel.
Sie schnellte von der Couch, flüchtete ins Bad und warf die Tür hinter sich ins Schloss.
Hastig spritzte sie sich Wasser ins Gesicht und starrte eine Weile mit zitternden Knien in den Spiegel. Was ging hier vor? Hatte es womöglich etwas mit diesem seltsamen Fläschchen zu tun, das sie letzte Woche in ihrer Einkaufstüte gefunden hatte?
Beinahe hätte sie es weggeworfen, so klein und unscheinbar war es gewesen.
»Vitamintropfen für Katzen – Gratisprobe« stand in winziger Schrift darauf geschrieben.
Es war nicht ungewöhnlich, dass Thomas ihr hin und wieder Futterproben in die Tasche packte, also hatte sie Donnerstag Abend den flüssigen Inhalt des Fläschchen über das Futter ihrer vierköpfigen Rasselbande geträufelt.
»Oh, eine verschlossene Tür!«, ertönte ein piepsiges Stimmchen, »Ich muss da rein – sofort!«
Hektisches Scharren und überschwängliches Schnurren war zu hören und holte Charly aus ihren Gedanken. Sie musste widerwillig schmunzeln. Vielleicht könnte es sogar ganz unterhaltsam sein, ihre Mitbewohner zur Abwechslung mal zu verstehen.
Langsam öffnete sie die Tür und Keks taumelte ins Zimmer. Sie schnappte den Babykater und setzt ihn sich auf die Schulter.
»Huch, ist das aufregend! Und so wackelig! Ich muss mich gut festhalten!«
Er versenkte seine Krallen in ihrer Schulter.
»Vorsicht Keks! Nicht so fest, das tut mir nämlich weh, weißt du?«, tadelte Charly und Keks löste sofort seine Krallen.
»Entschuldigung, Mami!«, schnurrte er und stupste gegen ihr Ohr, »aber warum hast du kein schützendes Fell, so wie ich?«
Charly war gerührt. Der Kleine hielt sie tatsächlich für seine Mutter! Vermutlich lag es daran, dass sie Keks aus einer Mülltonne gefischt und ihn mit der Hand aufgezogen hatte.
»Das erkläre ich dir später, nun gibt’s erst mal was zu essen!«, sagte sie mit belegter Stimme und ließ Keks sanft zu Boden.
»Essen?!«, kreischte Butters und schoss wie von der Tarantel gestochen ins Zimmer, frontal gegen Charlys Beine. Entsetzt blickte er sie an. »Willst du mich umbringen? Du kannst doch nicht einfach in meinem Weg stehen!«
Sie lachte und wollte Butters beruhigend über den Kopf streicheln, doch er wich ihr aus und bedachte sie weiterhin mit einem fassungslosen Blick.
Kopfschüttelnd lachte Charly und sah wie Snatch sie aus sicherer Entfernung misstrauisch beobachtete. Spontan musste sie an diesen Cartoon denken, den sie letztens im Internet gefunden hatte: Fünf sichere Anzeichen, dass deine Katze ein Attentat auf dich plant. So wie Snatch sie gerade anstarrte, schien er diese Möglichkeit tatsächlich in Betracht zu ziehen …
Während sie das Futter anrichtete, entbrannte ein Streit zwischen Lady und Snatch. Die beiden waren sich noch nie so wirklich grün gewesen, obwohl sie gemeinsam im Tierheim gesessen hatten. Charly war nie dahintergekommen, warum sich die hübsche Angoradame und der schneidige schwarze Kater nicht leiden konnten. Bis jetzt …
»Süße, komm schon! Lass mich heute Nacht bei dir schlafen!«, schnurrte Snatch und schnüffelte an Ladys Ohr.
»Lass das gefälligst!«, fauchte sie und schlug ihm mitten auf die Nase, »Du hattest deine Chance, du hast es versaut. Also lass mich in Ruhe! Du bist meiner doch gar nicht würdig!« Mit einem boshaften Blick wollte Lady sich hinter Charlys Beinen in Sicherheit bringen, doch sie schnappte sich die wütende Katze und drückte sie an sich. Lady stemmte sich gegen Charlys Brust.
»Du bist ganz schön arrogant, meine Liebe«, sagte Charly bestimmt. »Gib ihm doch noch eine Chance, vielleicht ist er gar nicht so unter der deiner Würde.«
Lady wand sich wie ein Fisch und fauchte: »Ach ja? Erst wenn du deinen komischen Thomas um ein Date bittest! Aber wehe du bringst ihn hier in unser Heim! Ich kann Besuch nicht ausstehen!«
Erschrocken blickte Charly die Katze an. Ja, sie hatte oft genug in Ladys Fell geweint und ihr das Herz ausgeschüttet. Aber das ihr alles jetzt um die Ohren flog, war schon ein bisschen unfair.
Butters rieb seinen Kopf heftig gegen ihre Wade und wiederholte abwechselnd zwei Worte: »Hunger« und »Todeskampf«.
»Ich mach ja schon«, schimpfte sie und schob den aufdringlichen Kater beiseite, »hast du echt nichts anderes im Kopf?«
»Hunger!«
Seufzend stellte sie die vier Futterteller zu Boden.
»Lamm, das mag ich am liebsten!«, kreischte Butters und begann bereits zu schlingen.
»Bilde dir bloß nichts darauf ein, das sagt er jeden Tag«, ließ Snatch verlauten und machte sich nun ebenfalls daran, langsam und bedächtig zu fressen. »Weißt du? Wir Katzen sind eigentlich Feinschmecker, es ist nicht gut für uns wenn wir dauernd diesen Dosenfraß bekommen«, sagte er an Charly gewandt. Na toll, nun hatte sie auch noch ein schlechtes Gewissen! Dabei achtete sie beim Kauf sehr wohl auf die Inhaltsstoffe und kaum auf den Preis. Sie nahm sich vor, zukünftig ein bisschen frisches Fleisch und Fisch auf den Speiseplan der Rasselbande zu setzen. Doch zuvor hatte sie noch etwas zu erledigen.

Die Lautstärke in ihrer Wohnung war mächtig angestiegen, seit Charly ihre Katzen verstehen konnte. Normalerweise verständigten sie sich über Körpersprache und miauten nur, wenn sie menschliche Aufmerksamkeit wollten. Doch nun plapperten alle vier wild durcheinander und das war schlimmer als einen Sack Flöhe zu hüten!
Charly wollte eigentlich noch ausgiebig duschen, bevor sie ihren Weg in die Zoohandlung antreten wollte. Doch das verging ihr rasch, sie fühlte sich nämlich ziemlich beobachtet. Und Lady entwickelte sich zu einem richtigen Schandmaul, als Charly nackt im Badezimmer stand …
Butters Intelligenz war tatsächlich nicht besonders hoch. Snatch war reizbar, beschwerte sich laufend über alles Mögliche und ließ seinen Unmut an dem kleinen Keks aus, der seinerseits ständig auf ihr herum klettern wollte und Fragen stellte.
Schließlich verließ sie die Wohnung, begleitet von vierstimmigem Gebettel, was sie nicht alles mitbringen sollte, wenn sie zurückkam. Ihr brummte gehörig der Kopf. Was auch immer in diesem seltsamen Fläschchen gewesen war, sie hoffte inständig, dass es dafür ein Gegenmittel geben würde. Und sie wusste auch ganz genau, wen sie danach fragen musste – ob sie wollte, oder nicht …

»Was machst du denn hier? Heute ist doch gar nicht Freitag?«, begrüßte Thomas sie mit einem verschmitzten Lächeln, als Charly forsch die Zoohandlung betrat.
Verwundert blickte sie ihn an. Alles, was sie sich an passenden Worten zurechtgelegt hatte, war wie weggefegt. Wahrscheinlich trug sie auch schon wieder einen ziemlich belämmerten Gesichtsausdruck. Doch sie konnte sich davon gerade nicht beirren lassen!
Sie räusperte sich und stieß hervor: »Etwas stimmt mit meinen Katzen nicht.«
Thomas Grinsen wurde noch breiter und seine Augen blitzten wissend auf.
»Ah, du hast es also ausprobiert! Ich hab mir schon gedacht, dass ich damit ganz bestimmt deine Aufmerksamkeit erregen würde!«
Mit jedem Wort aus seinem Mund nahm Charlys Verblüffung zu. Sie spürte bereits, wie ihr Kopf immer leerer zu werden schien.
»Du warst das also! Was ist das für ein Zeug? Und wo hast du es her?«, fragte sie schließlich, heftiger als beabsichtigt und heilfroh, drei ganze Sätze geschafft zu haben.
Er blickte sich verschwörerisch um. »Nicht hier, komm mit nach hinten!«
Ehe Charly noch etwas erwidern konnte, hatte er sie bereits an der Hand genommen und führte sie rund um die Theke in einen kleinen Lagerraum. Eine Gänsehaut kroch ihr über den Rücken, seine Hand fühlte sich warm und weich an. Am liebsten hätte sie nie wieder losgelassen …
Inmitten von Bergen an Katzen- und Hundefutter bot er ihr einen Stuhl an und schob ihr eine Tasse Kaffee vor die Nase.
»Um deine Fragen zu beantworten: Ja, ich war das. Ich experimentiere schon länger mit gesundheitsfördernden Kräutermischungen für Katzen und mein letztes Gebräu war ziemlich erfolgreich, wenn auch nicht auf die erwartete Weise.«
Charly konnte nicht sofort antworten. Sie war hingerissen von seinem jungenhaften Lächeln, dass einzig und allein ihr zu gelten schien.
»Ich finde dich nämlich wirklich süß, Charlotte. Doch du warst immer so abweisend, oder gestresst, vielleicht auch beides. Deswegen habe ich mich zu einer kleinen List entschieden, damit du endlich mit mir redest!«
Langsam nahm Charly einen Schluck Kaffee, um Zeit für eine Antwort zu schinden. Ihr Herz klopfte wie verrückt! Sie konnte es kaum glauben, Thomas hatte tatsächlich Interesse an ihr! Unsicher rutschte sie auf ihrem Stuhl herum. Jetzt oder nie!
»Ich … ich … kann dich auch ganz gut leiden!«, gestand sie schließlich und schaffte es sogar, ihn verlegen anzusehen, trotz ihrer knallroten Wangen.
Thomas strahlte.
»Dann würde ich sagen, lass uns heute Abend essen gehen. Nur wir beide. Ein Date sozusagen?«
»Ja, gerne«, hauchte Charly.

Sie verließ den Laden mit leuchtenden Augen – und einem weiteren Fläschchen aus Thomas Kräuterküche. Diesmal allerdings mit dem Gegenmittel.
»Auch wenn ohne meine Katzen gar nichts geht, ist es mir lieber wenn ich sie nicht mehr hören kann«, dachte sie im Stillen und machte sich voller Vorfreude auf den Heimweg.