Short Story - # 06


Vorgabe: "Auf der anderen Seite des Badesees stand plötzlich ein Mann der mich am Wochenende zuvor verfolgt hatte."
von: Melanie
Genre: Psychothriller

 

Titel: Dreizehn

 

Unvermittelt stürzte Isabel und fiel auf den feuchten, modrig riechenden Waldboden. Ihr Kopf schlug auf einem Baumstumpf auf und sofort begann das Blut aus der Platzwunde zu fließen. Sie unterdrückte den Impuls vor Schmerz laut aufzuschreien, denn ihr Verstand hielt sie dazu an, sich zusammen zu reißen. Mit zitternder Hand versuchte sie die Blutung auf ihrer Stirn zu stoppen, doch das Blut bahnte sich bereits seinen Weg über ihr verschwitztes Gesicht. Ängstlich konnte sie den leicht metallischen Geschmack auf ihren Lippen wahrnehmen. Isabel versuchte ihren Atem in den Griff zu bekommen indem sie bewusst ein und aus atmete. Solange bis sie nicht mehr darüber nachdenken musste. Erst jetzt nahm sie den bereits feuchten Boden wahr, denn trotz der warmen Herbsttemperaturen war es nun rasch kühl geworden. Isabel war Krankenschwester und wusste daher, dass eine Platzwunde schlimmer aussah als es in Wirklichkeit war. Sie versuchte trotzdem die Blutung so schnell wie möglich zu stoppen, da das Blut vermischt mit ihrem Schweiß in ihren Augen bereits höllisch brannte. Sie riss sich ein Stück ihrer schmutzigen Bluse ab und drückte den Stoff fest an ihre Stirn. Immer wieder vernahm sie ein Knacken. Deswegen legte sie sich flach auf den Boden, sodass sie von dem umgefallenen Bäumen verdeckt wurde. Sie konnte aber nicht einordnen, ob das Knacken von Tieren oder von ihrem Verfolger stammte. Fieberhaft dachte sie nach. Sie hatte die Orientierung verloren. Sie wusste nicht mehr in welcher Richtung sich der Waldrand befand. Es begann auch bereits dunkel zu werden. Im Wald wird es immer früher dunkel, dachte sie sich panisch. Sie musste aus diesem verdammten Wald raus. Wieder hörte sie ein Geräusch, doch dieses Mal war sie sich sicher. Es handelte sich um menschliche Schritte. „Kuckuck!“ Sie hörte ein irres Kichern. „Meine Süße! Wo bist du?!“ Kurz darauf vernahm sie sein pfeifendes Keuchen. Sie drückte ihren gesamten Körper noch weiter in den weichen von Blättern bedeckten Waldboden. Ihr schulterlanges blondes Haar war aufgrund des Nebels feucht und einige Strähnen von Blut getränkt. „Kuckuck!“ Wieder kicherte ihr Verfolger wie ein verrückter kleiner Junge. Nur handelte es sich nicht um einen kleinen Jungen, sondern um einen übergewichtigen Mann mittleren Alters. Völlig außer Atem verfolgte er sie bereits einige Zeit durch den Wald. Er war offensichtlich nicht so sportlich wie sie, doch sie hatte den Eindruck, dass er sich in diesem Waldstück verdammt gut auskannte. Er konnte sie immer wieder aufspüren. Eine gefühlte Ewigkeit blieb sie regungslos liegen und betete um ein Wunder. Und so kam es auch. Er machte rund fünfzig Meter vor ihrem Versteck Halt und bog nach links ab. Als sie bemerkte, dass sich seine Schritte nicht mehr näherten, hob sie vorsichtig ihren Kopf um sich zu versichern, dass er tatsächlich eine andere Richtung eingeschlagen hatte. Sie beobachtete ihn wie er sich durch den dicht bewachsenen Teil des Waldes quälte. Sie beschloss nach weiteren fünf Minuten, dass er nun weit genug entfernt wäre um sie nicht so schnell einholen zu können. Ruckartig erhob sie sich und begann zu laufen. Nach drei Schritten aber brach sie zusammen. Sie hatte durch den Adrenalinschub nicht bemerkt, dass sie sich durch den starken Aufprall nicht nur den Kopf sondern auch ihren rechten Fuß verletzt hatte. Der Schmerz durchzuckte blitzartig ihren gesamten Körper, dass ihr plötzlich schwarz vor Augen wurde und sie in Ohnmacht fiel. Trotzdem konnte sie das schwere Atmen ihres Verfolgers und den aufdringlichen Schweißgeruch vernehmen. „Da bist du ja, Bella!“

Als sie wieder zu sich kam wusste sie nicht wo sie sich befand. Sie fühlte sich müde, ihr Kopf schmerzte und sie war nicht fähig sich zu bewegen. Ihr Mund war ausgetrocknet und umso wacher sie wurde, umso deutlicher nahm sie die aufsteigende Übelkeit in sich wahr. Ihre Beine und Arme waren gefesselt und sie lag auf dem Rücken. Isabel schmeckte noch immer ihr eigenes Blut in ihrem Mund, welches sich mit dem Geschmack von Gummi vermischte. Oh mein Gott, dachte sie. Ihr Atem wurde schneller und sie bekam vor Panik schlecht Luft. Erst jetzt realisierte sie, dass sich ein Knebel in ihrem Mund befand. Sie versuchte zu schreien, doch es kam nur ein dumpfer Laut aus ihrer Kehle. Da es stockdunkel war, riss sie ihre Augen weit auf, um etwas sehen zu können. Die Panik wurde immer größer und das Atmen fiel ihr immer schwerer. „Beruhige dich doch, Bella. Du hast keinen Grund dich zu fürchten.“ Die Worte des Mannes drangen fast freundlich durch die Dunkelheit. Isabel versuchte laut zu schreien und mit Armen und Beinen um sich zu schlagen. „Na, na, na. Beruhige dich, sonst muss ich dich zur Ruhe zwingen.“ Die Stimme klang nun nicht mehr nett sondern gefährlich. Sie versuchte sich zu beruhigen und riss wieder ihre Augen weit auf, nur um ausnehmen zu können wo sich ihr Peiniger befand. In diesem Moment erstrahlte eine kleine Tischlampe. Da sich ihre Augen an die Dunkelheit angepasst hatten, schmertze sie der Lichtstrahl enorm. Sie benötigte einige Zeit, um sich an die Helligkeit zu gewöhnen und entdeckte kurz darauf den Mann. Er saß ihr gegenüber in einem alten schäbigen Ohrensessel, gemütlich zurück gelehnt und strahlte sie mit einem ekelerregenden Lächeln an. Jetzt nahm sie auch seinen aufdringlichen Schweißgeruch bewusst wahr. Die Gewissheit, dass er bereits die ganze Zeit im Dunkeln vor ihr saß, brachte sie fast um den Verstand. „Nicht weinen, hübsche Bella. Du musst doch morgen für unseren Tag hübsch aussehen.“ Er leckte sich über seine rissigen Lippen und beäugte dabei ihre Brüste und Schenkel. Isabel sah an sich herab und stellte fest, dass sie nur ein durchsichtiges, weißes Kleid trug. Sie lag fast nackt vor diesem Verrückten und als sie die Situation vollends registrierte, liefen ihr Tränen über ihre schmutzigen Wangen. Da sie, wie sie jetzt feststellte, an ein altes Metallbett gefesselt war, war es ihr nicht möglich sich mit ihren Armen vor seinen gierigen Blicken schützen. Er begann lauter und schwerer zu atmen. „Du bist die schönste Braut, die ich je gesehen habe!“, stellte er mit zitternder Stimme fest. Sein fettiges, strähniges Haar hing ihm ins Gesicht und er begann zu lächeln. „Ich freue mich schon auf unsere Hochzeitsnacht morgen. Nur für dich habe ich mich aufgespart, mein Liebling.“ Er öffnete langsam seine Hose und entblößte sein erigiertes Glied. Isabel verfiel abermals in Panik und begann zu schreien, doch der Mundknebel dämpfte ihre erbärmlichen Versuche. „Schrei nur, Bella. Das macht mir nichts, denn ich liebe dich so sehr.“ Während er die Worte keuchend flüsterte befriedigte er sich selbst, ohne sein Opfer dabei aus den Augen zu lassen.

Isabel schrie und fuhr hoch. Angsterfüllt sah sie sich um und stellte schnell fest, dass es nur ein Traum war. „Nur ein Traum.“, flüsterte sie sich beruhigend zu. Durch einen Spalt des Vorhanges fiel sanftes Mondlicht und erhellte leicht das Schlafzimmer. Neben Isabel schlief seelenruhig ihr Ehemann. Die digitale Uhr auf dem kleinen Nachttisch zeigte 01:13 Uhr. Sie kuschelte sich schutzsuchend an ihren Mann und versuchte nicht mehr an den Albtraum zu denken. Im Gegenteil. Sie dachte daran, dass sie bereits um zehn Uhr in der Nähe von München sein würden. Mit diesem beruhigenden Gedanken schlief sie wieder ein.

Die gesamte Autofahrt über dachte Isabel immer wieder über ihren Traum nach. Sie hatte ihrem Mann nichts davon erzählt, da er sich sowieso schon immer Sorgen um sie machte. Isabel war grundsätzlich immer ein gut gelaunter Mensch, doch ihr ganzes Leben lang fühlte sie sich irgendwie immer einsam. Eine unterschwellige Traurigkeit, die sie seit sie denken konnte begleitete, konnte sie vor ihm nicht verheimlichen. Sie wusste selbst nicht was mit ihr los war. Unzählige Sitzungen bei Psychologen und Wunderheiler hatten keine Besserung gebracht. Viele sahen ein unterbewusstes Problem in ihrer Kindheit. Doch sie hatte eine wundervolle Kindheit, wuchs bei ihren fürsorglichen Eltern als Einzelkind in einem kleinen idyllischen Ort auf. Manchmal dachte sie einfach, dass sie verrückt wäre und es keinen bestimmten Grund für ihre Einsamkeit gab. Ihr Ehemann hatte also schon genug mit ihrem Befinden zu tun und sie wollte ihm den Kurzurlaub in Bayern nicht vermiesen. Schon gar nicht heute, da Freitag der Dreizehnte und er ziemlich abergläubisch war. Deswegen schwieg sie.

Nach über vier Stunden Autofahrt von Österreich nach Deutschland waren sie endlich am Ziel, dem Starnberger See. Das Thermometer zeigte zweiunddreißig Grad Celsius an und deswegen beschlossen die beiden im Hotel einzuchecken und danach sofort den Badesee aufzusuchen. Während ihr Mann das Gepäck auf Zimmer 1013 brachte, etwas zu trinken und die Tageszeitung besorgte, suchte Isabel nach einem geeigneten Platz an dem sie den Tag entspannt verbringen konnten. Sie zog sich ihr Sommerkleid aus und machte es sich in ihrem neuen Bikini auf ihrem Badetuch bequem. Wegen dem Alptraum hatte Isabel nur mehr sehr unruhig geschlafen und dies machte sich nun bemerkbar. Müde schloss sie ihre grünen Augen und versuchte zur Ruhe zu kommen. Plötzlich überkam sie das Gefühl beobachtet zu werden. Sie schrak hoch und sah sich um, doch sie konnte niemand bestimmten erkennen, der den Anschein machte, sie zu mustern. Einige Kinder liefen lachend im Kreis, die Mütter saßen ein Stück abseits und unterhielten sich angeregt. Isabel war Kinderkrankenschwester und eigentlich fehlte es ihr nicht, dass sie keine Kinder hatten. In solchen Momenten aber, wenn sie weg von zuhause und weg von der Arbeit war, dann dachte sie schon darüber nach ob sie es nicht doch noch einmal in Erwägung ziehen sollten. Sie machte es sich wieder bequem und lauschte dem Lachen der Kinder.

Als die Hitze für Isabel unerträglich wurde, beschloss sie eine Runde schwimmen zu gehen. Sie setzte langsam einen Schritt nach dem anderen in das kühle Nass, bis sie nur mehr mit ihren Zehenspitzen den Boden des Sees berühren konnte. Die Abkühlung trat schnell ein und ihr Kopf wurde klar. Glücklich schwamm sie in Richtung des anderen Seeufers, bis sich der Gedanke in ihr breit machte, dass der See vom Ufer aus viel größer aussah als er in Wirklichkeit war. Verwirrt über diesen Gedanken hörte sie mit den Schwimmbewegungen auf. Sie blickte auf das gegenüber liegende Ufer und ihr stockte der Atem. Ein weiterer Gedanke machte sich in ihrem Kopf breit und sie flüsterte leise vor sich hin: „Dort steht der Mann, der mich am Wochenende zuvor verfolgt hatte.“ Verwirrt über den Gedanken kniff sie die Augen zusammen und tatsächlich sah sie am gegenüberliegenden Ufer einen Mann stehen der sie beobachtete. Irgendwie schien er ihr bekannt vorzukommen, doch sie konnte nicht zuordnen, wo sie ihn bereits einmal gesehen hatte. „Ich werde wirklich verrückt.“ Abfällig schüttelte sie ihren Kopf. „Ich bin doch gar nicht verfolgt worden. Isabel, jetzt reiß dich zusammen!“, schimpfte sie sich laut. Plötzlich hörte sie ein leises Wimmern neben ihr. Sie sah auf die rechte Seite und erschrak. Eine Frau, die genauso aussah wie Isabel, war neben ihr aufgetaucht. „Hilf mir!“, flüsterte die Frau verzweifelt. Isabel spürte plötzlich, wie sie etwas unter Wasser zog.

„Isabel. Wach auf.“ Erschrocken fuhr sie hoch. Ihr Ehemann versuchte gerade die Badetasche unter ihren Füßen hervorzuziehen. Mit geweiteten Augen sah sie ihn an. „Ist alles in Ordnung?“, fragte er besorgt. „Ja, geht schon. Ich hatte nur schlecht geträumt.“, versuchte sie ihn und sich selbst zu beruhigen. Währenddessen zog ihr Mann sein Smartphone aus der Tasche. „Erst dreizehn Uhr! Ich dachte, es wäre schon später.“, sagte er leichthin. Geistesabwesend stand Isabel auf, schnappte sich die Tageszeitung und erklärte, dass sie sich an den Steg setzen und ein bisschen lesen wollte. „Schon gut, Bella. Wir haben noch reichlich Zeit bis zum Abendessen.“ Sie versuchte sich nichts anmerken zu lassen, lächelte ihn an und ging Richtung Holzsteg. Dort angekommen setzte sie sich an den Steg und ließ ihre Füße im kühlen Wasser baumeln. Isabel schlug die Tageszeitung auf und blätterte gedankenverloren durch die Schlagzeilen. So sehr sie sich auch bemühte, sie musste immer wieder an die verstörenden Träume denken. Da sie sich nicht auf die Zeitung konzentrieren konnte, legte sie sie beiseite und sah auf die in der Sonne glitzernde Wasseroberfläche. Ihr Blick schweifte nach kurzer Zeit in Richtung des Waldstücks in der Nähe und sie beschloss einen kleinen Spaziergang dorthin zu unternehmen. Als sie den Steg verließ, blätterte der Wind die Zeitung bis zur Seite dreizehn auf. Doch sie war schon zu weit weg um zu bemerken, dass ihr eigenes Gesicht aus der Zeitung lächelte. Seit dreizehn Tagen vermisst! stand in großer Überschrift über ihrem Bild.

Sie war bereits zwanzig Minuten unterwegs und ihre Füße begannen langsam zu schmerzen. Sie war einfach ohne Schuhe losmarschiert und ohne ihrem Mann ein Wort zu sagen wo sie hin wollte. Nach kurzer Überlegung beschloss sie aber weiter in Richtung Wald zu gehen. Irgendwie zog er sie magisch an, denn anders konnte sie es sich nicht erklären wieso sie so dumm war. Sie lief weiter und einzelne kleine Steine bohrten sich immer wieder in ihre Fußsohlen. Isabel erreichte bald darauf den Waldrand, blieb davor stehen und drehte sich in Richtung Badesee um. Mit Erstaunen stellte sie fest, dass sie weiter gelaufen sein musste als sie gedacht hatte, denn der See lag weit hinter ihr. Sie drehte sich wieder um und ging zielstrebig ohne darüber nachzudenken tief in den Wald hinein. Hier war es angenehm kühl und der Waldboden war aufgrund des moosigen Untergrundes weich. Sie genoss die kühle Luft, streckte ihren Kopf in Richtung der Baumwipfel und ging weiter, ohne darauf zu achten wohin sie trat. Ohne Vorwarnung durchzuckte sie ein Schmerz und sie fluchte. Ein spitzes Stück von einem Ast bohrte sich in ihre nackte Fußsohle und verursachte einen stechenden Schmerz. „Verdammt!“ Isabel humpelte zum nächsten Baumstumpf, setzte sich und begutachtete ihre Verletzung. Mit einem Ruck entfernte sie das Holzstück, wodurch ihr kurz schwindelig wurde. „Kann ich dir helfen?“ Erschrocken blickte sie auf und sah in sein Gesicht. Sie traute ihren Augen nicht. Langsam bewegte er sich in ihre Richtung. Kurzerhand wurde sie von einer großen Angst gepackt, schoss wie von Hummeln gestochen vom Baumstumpf hoch und rannte noch weiter in den Wald hinein. Sie hörte sein Kichern und seine schweren Schritte hinter ihr. Isabel lief und lief. Sie rannte um ihr Leben, ignorierte den stechenden Schmerz. Sie war eine sportliche Frau gewesen und konnte ihn leicht abhängen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam sie an ein kleines abgelegenes Haus. Sie überlegte kurz ob sie sich in dem Haus verstecken sollte, entschied sich aber dagegen. Falls er sie noch immer verfolgte, würde er bestimmt dort nachsehen. Sie lief um das Haus herum und stolperte plötzlich über eine kleine Luke im Waldboden. Verwirrt und voller Angst sah sie sich um. Die Schmerzen an ihrem Fuß wurden immer unerträglicher und deswegen versuchte sie die Falltür zu öffnen. Es handelte sich scheinbar um einen alten Bunker. „Wo bist du?“, ertönte die fast kindliche Stimme ihres Verfolgers. Wie in meinem Traum, dachte sie verzweifelt und dankte gleichzeitig Gott, dass sie über die Tür gestolpert war. Mit großem Kraftaufwand schaffte sie es die Luke zu öffnen und kletterte hinein. Es roch modrig und sie fühlte sich so als ob sie gleich ersticken würde. Immer weiter kroch sie in den Bunker hinein und war erleichtert dem unheimlichen Mann entkommen zu sein. Es war stockdunkel und plötzlich wurde es ihr bewusst. Auch in ihrem Traum war sie in einem dunklen Raum gefangen. Übelkeit machte sich in ihr breit und sie musste sich übergeben. Ohne etwas zu sehen kroch sie weiter in den Bunker hinein. Das Blut rauschte in ihren Ohren und sie verlor die Orientierung. Sie ertastete mit ihren Händen eine Wand und kauerte sich dagegen. „Beruhige dich. Es ist bestimmt wieder nur ein Traum. Beruhige dich“, flüsterte sie und zog ihre Beine fest an in ihren Körper. In diesem Moment wurde eine kleine Tischlampe eingeschaltet und ihr Peiniger sah sie aus einem alten Stuhl sitzend an. Neben ihr fing jemand leise an zu weinen und Isabel drehte panisch ihren Kopf in die Richtung aus der sie die Stimme vermutete. Ihr Mund blieb offen stehen, denn sie erblickte eine junge Frau in einem weißen, durchsichtigen Kleid, gefesselt an ein Bett und einem Gesicht, welches Isabel zum Verwechseln ähnlich sah.

„Das ist der schönste Tag in meinem Leben!“, quiekte der fette Mann aufgeregt. „Zwillinge! Und eine schöner als die andere!“ Isabel sah zu ihrer Schwester und danach wieder zu ihrem Peiniger. Dieser öffnete seine Hose und befriedigte sich keuchend, ohne die beiden Frauen dabei aus den Augen zu lassen.