06. Kapitel - Zu viele Fragen


So wurde entschieden - A: Die Stimme gehört seinem ehemals besten Freund Markus.

»Kann ich ihnen noch etwas bringen?« Unsanft wurde sie vom Kellner aus ihrem Tagtraum gerissen. »Wie bitte?« Entgeistert sah sie ihn an. »Ob sie noch einen Wunsch haben«, antwortete er sichtlich genervt. Er verdrehte sogar seine Augen, um seinen Gemütszustand zu unterstreichen. »Wenn sie schon so nett nachfragen, gerne. Ein Glas stilles Wasser. In Zimmertemperatur, bitte. Und einen doppelten Espresso. Und dieses Mal in einer sauberen Tasse.« Die Gesichtsfarbe des Kellners änderte sich innerhalb von Sekunden auf dunkelrot, er nickte kurz und verschwand in die kleine Küche. Sobald er nicht mehr zu sehen war, tat es Carolin auch schon wieder leid so mit ihm geredet zu haben. Wahrscheinlich war er einfach nur mit seinem Leben unzufrieden und konnte es nicht mehr verbergen. Doch irgendwie hatte auch sie gerade anderes zu denken, als ob es ihren Mitmenschen gut geht oder nicht. Sie wollte auch nicht immer Rücksicht auf alle anderen nehmen. Auch ihr wurde es manchmal einfach zu viel und jetzt war gerade so ein Zeitpunkt. »Bitte sehr. Ihr stilles Wasser in Zimmertemperatur und ihr doppelter Espresso.« Carolin blickte ihn an und bedankte sich. »Wenn sie noch etwas benötigen, sagen sie einfach Bescheid«, redete der Kellner kleinlaut weiter. »Danke. Das ist sehr aufmerksam.« Er nickte ihr nochmals zu und begann, die Tische im Cafe abzuräumen. 

Sie sah auf ihr Handy. 17:42 Uhr. Noch eine viertel Stunde, bis Frau Mayer hier auftauchen würde. Der Gedanke daran machte Caro nervös, vor allem wenn sie an die besagte Nacht zurück dachte. Nie im Leben hatte sie sich träumen lassen, bei einer Swingerparty teilzunehmen. Und ihr war auch bis dato nicht bewusst, dass Nick bestens über diese Art von Partys Bescheid wusste. In diesem Moment tauchten wieder die Bilder von Nicks nacktem Oberkörper vor ihrem geistigen Auge auf. Die Erinnerung daran, an welchen Stellen er sie berührte und wie leidenschaftlich er sie küsste, jagte ihr einen wohligen Schauer über den Rücken. Nachdem das kleine Spiel zwischen den Vier zu Ende war, hatte Frau Mayer ihr das weitere Interview zugesagt und sie hatte Wort gehalten. Gestern hatte Carolin eine Nachricht von Frau Mayers Sekretärin erhalten, in dem ihr Datum, Ort und Uhrzeit des Treffens mitgeteilt wurde. Carolin war bereits eine halbe Stunde früher eingetroffen, um sich einen strategisch guten Platz aussuchen zu können und natürlich um nochmals ihre Fragen durchzugehen. Sie wollte keine Fehler riskieren und achtete auf jedes Wort, welches sie im Gespräch verwenden wird. Sie setzte ihr Wissen zu hundert Prozent ein, damit ihre Gesprächspartnerin ihr vollstes Vertrauen entgegen bringt und sie denken wird, dass alles was sie ausplaudert, ihre Idee war. Während die Journalistin an ihrem Espresso nippte öffnete sich die Eingangstür.

Carolin war von Beginn an klar, dass Frau Mayer dieses Cafe absichtlich gewählt hatte. Es waren nämlich keine weiteren Gäste anwesend und das würde sich wahrscheinlich auch nicht ändern. Denn noch nie hatte sie einen so schlechten Kaffee getrunken. Abgesehen davon machte die gesamte Einrichtung einen sehr schmuddeligen und unhygienischen Eindruck. Nach einer eher kühlen Begrüßung nahm die Frau am Stuhl ihr gegenüber Platz. »Nun«, sagte sie und sah Carolin in die Augen. »Sind sie letzte Nacht gut nachhause gekommen?« Die junge Frau nickte. »Danke der Nachfrage. Leider hatte bereits meine Lebensgefährtin auf mich gewartet und stellte mir unangenehme Fragen.« »Unangenehme Fragen?« Frau Mayer runzelte die Stirn. »Nun ja. Sie wissen schon. Wo ich so lange war. Was ich gemacht habe. Mit wem ich unterwegs war. Diese Art von unangenehmen Fragen eben.« »Ich verstehe. Und? Was haben sie geantwortet?« »Natürlich nichts besonderes. Ich habe meinen alten Freund besucht und wir haben gemütlich etwas getrunken. Und während wir über dies und jenes quatschten, haben wir die Zeit übersehen.« Während sie sprach, spiegelte sie die Körperhaltung ihres Gegenübers und als daraufhin Frau Mayer leicht lächelte, wusste Carolin, dass sie bereits gewonnen hatte. Jetzt musste sie nur mehr das Gefühl des Vertrauens verstärken. »Dann wollen wir mal beginnen. Ich habe ihnen versprochen, dass sie ein weiteres Interview bekommen und das will ich jetzt einlösen. Legen sie los.« Carolin räusperte sich, nahm ein kleines Diktiergerät in die Hand und zeigte es Frau Mayer. »Ist es in Ordnung, wenn ich das Gespräch aufzeichne?« »Nur zu. Beginnen sie.« »Danke. Okay. Dann legen wir los. Ich möchte ihnen nochmals kurz erklären, worum es mir hierbei geht. Ich möchte eine mehrteilige Reportage über das Leben ihres Sohnes schreiben. Die Höhen und Tiefen seines Erfolges erzählen und somit bei den Lesern in Erinnerung rufen, dass der berühmte Bestsellerautor spurlos verschwunden ist.« Frau Mayer hörte aufmerksam zu und nickte ab und an. »Das ist also in Ordnung für sie?«

»Ja, ist es. Was wollen sie wissen?« »Nun gut. Fangen wir mit der Kindheit ihres Sohnes an. Wie ist er denn so aufgewachsen? Ich nehme an, er hatte eine glückliche Kindheit.« Frau Mayer begann zu lachen. »Ich nehme an, sie haben seine Biographie noch nicht gelesen? Wenn nicht, dann rate ich ihnen, das so schnell wie möglich zu tun. Das erspart ihnen eine Menge Fragen!« Carolin wusste nicht genau warum die Frau so lachte. Und noch unheimlicher fand sie, dass dieses Lachen einen seltsamen verrückten Touch hatte.

»Hallo! Was kann ich für dich tun?« Jonas grinste und ein verrücktes Kichern kam über seine Lippen. Er hatte mit viel gerechnet, doch absolut nicht damit, dass Markus hier vor ihm stand. »Du kannst für mich nichts tun, Jonas. Du solltest besser fragen was ich für dich tun kann.« »Was willst du schon für mich machen können. Du hast dein ganzes Leben vergeigt. Und glaube mir, dieses Bad Boy Image steht dir nicht. Du bist ein ewiger Loser und wirst ein ewiger, schwuler Loser bleiben!« Markus stand breitbeinig vor Jonas, in der rechten Hand einen Baseballschläger und in der anderen Hand ein kleines Gerät. Durch die schlechte Beleuchtung konnte Jonas aber nicht erkennen worum es sich dabei handelte. »Du hast dich überhaupt nicht verändert. Du bist nach wie vor das selbe Arschloch wie vor fünfzehn Jahren.« Sein Griff um den Baseballschläger wurde fester. »Du hast dich aber auch nicht verändert. Immer noch ein Schwachkopf, der es nicht schafft, seine Frau im Bett zu befriedigen.« Jonas grinste wieder. »Ach. Entschuldigung. Ich vergaß. Du hast ja keine Frau mehr. Die hat dich ja sitzen lassen. Ich sollte sie mal wieder anrufen und fragen, ob ich es ihr mal ordentlich besorgen sollte.«

Während er versuchte, seinen ehemaligen Freund aus der Reserve zu locken, ließ er die Tür nicht aus den Augen. Er musste ihn irgendwie überwältigen, damit er aus diesem verdammten Loch fliehen konnte. »Du rufst niemanden an, du Arschloch! Ich werde schon dafür sorgen, dass du nicht mehr telefonieren kannst!« Markus Augen verengten sich und funkelten vor Wut. Genau in dem Moment als Markus einen Schritt auf Jonas zu machte, sprang Jonas auf, rammte ihm seinen Ellenbogen in den Magen und steuerte auf die offen stehende Tür zu. Markus krümmte sich vor Schmerz, konnte aber trotzdem Jonas Bein festhalten. Innerhalb eines Sekundenbruchteils hielt er das kleine Gerät an Jonas Wade und drückte den Knopf. Ein Stromschlag durchfuhr sein Bein und ließ ihn zu Boden stürzen. Danach wurde es schwarz um seine Augen und er fiel in eine tiefe Dunkelheit. Als er seine Augen langsam wieder öffnete war ihm sofort bewusst, dass er an einen Stuhl gefesselt wurde.

»Da bist du ja wieder. Ich dachte schon, du wirst gar nicht mehr wach. Was für uns sehr schade wäre.« »Uns? Wen meinst du damit?« Jonas versuchte, seine Fessel hinter dem Rücken zu lösen. Doch musste er leider feststellen, dass es sich um Kabelbinder handelte und sie sich verdammt tief in sein Fleisch schnitten. »Das wirst du schon noch früh genug erfahren. Aber du kannst ja schon mal darüber nachdenken, wen du dir noch so zu deinem Feind gemacht hast.« Jonas wusste nicht was er darauf antworten sollte. Schließlich hatte Markus damit ja nicht so unrecht. Er hatte sich tatsächlich viele Feinde in seinem Leben gemacht, doch so schlimm, dass sie ihn dafür hier festhielten, konnte das Ganze nicht gewesen sein. Markus war immer schon ein Sensibelchen gewesen. Ein ekelhaft, schwules Sensibelchen. Jonas verzog bei dem Gedanken seinen Mund. Reiß dich zusammen! Der Arsch meint es vielleicht ernst. Er ermahnte sich gedanklich immer wieder, freundlich zu Markus zu sein. »Was willst du von mir?«

»Ich will … Nun ja. Rache? Ich weiß nicht genau. Rache ist ein so hässliches Wort. Eine Entschädigung! Ja, das trifft es besser. Ich will eine Entschädigung dafür, dass du mein gesamtes Leben für einen scheiß Roman zerstört hast!« »Und wie stellst du dir das vor?« »Tja. Nun bin ich an der Reihe. Ich werde nun dein Leben zerstören.« Jonas lachte auf. »Und wie willst du das anstellen?« »Du weißt doch noch wie ich dir damals, als du Scheiße gebaut hast, ein Alibi verschafft habe? Oder hast du das etwa schon vergessen? Ich bin der Einzige, der über jene Nacht Bescheid weiß und das wird sich bald ändern.« Markus zog ein Stück zusammengefaltetes Papier aus seiner Gesäßtasche, faltete es auseinander und hielt es Jonas vor die Nase. »Hier habe ich alles bis ins kleinste Detail aufgeschrieben. Und ich will, dass du mit deiner Unterschrift bestätigst, dass du dieses Verbrechen begangen hast. Danach werde ich es der Polizei anonym zukommen lassen, damit sie dich hinter Gitter bringen, wenn sie dich hier finden.«


A: Jonas unterschreibt ohne zu zögern.
B: Er weigert sich und bringt dadurch Markus gegen sich auf.

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Das Formular ist bis 02.09.2018 um 20:00 Uhr geöffnet.




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