05. Kapitel - Herzschlag


So wurde entschieden - A: Er hört etwas über den Lautsprecher.

Das Herz hämmerte stark unter der Brust und ihr Puls raste. So unwohl hatte sie sich schon lange nicht mehr gefühlt. Da musst du jetzt durch, meine Liebe. Carolin sah sich hilfesuchend nach Nick um. Wo war er nur abgeblieben? Während sie sich darauf konzentrierte, eine aufkommende Panikattacke zu unterdrücken, spürte sie plötzlich eine kräftige Hand an ihrer Taille. Das sich schlagartig ausbreitende Gefühl war ihr altbekannt. Das Gefühl von Sicherheit und Ruhe, welches sie schon so lange nicht mehr empfunden hatte. Sie drehte sich um und sah in Nicks warme Augen. Er machte keine Anstalten, ihre Taille loszulassen. »Da bist du ja. Ich dachte schon, ich muss das hier alleine durchziehen.« Erleichtert blickte sie zu ihm auf. »Ich bin bei dir.« Mehr sagte er nicht und trotzdem reichte es aus. Er nickte ihr zu und beide drehten sich in Richtung Eingang. »Dann wollen wir mal«, flüsterte Nick und zog Carolin hinter sich her. Sekunden später fanden sie sich in einem dunklen Raum wieder. Auf der rechten Seite befand sich eine dezent beleuchtete Bar. Der Barkeeper hinter dem Tresen trug eine mit weißen Federn geschmückte Augenmaske. Lediglich seine Augenpartie wurde dadurch verdeckt und doch war er darunter schwer zu erkennen. Er trug kein T-Shirt, wodurch man den Anblick des durchtrainierten Oberkörpers so lange genießen konnte wie man wollte. »Caro?«. Nick holte sie aus ihren Gedanken und sie bemerkte erst jetzt, dass sie den Barkeeper offensichtlich angestarrt hatte. »Ich wusste gar nicht, dass du auf muskelbepackte Möchtegern Barkeeper stehst«, neckte er seine Begleiterin. »Tu ich doch gar nicht!« »Du musst dich nicht rechtfertigen.« Nick zwinkerte ihr zu und zog sie durch den dunklen Raum.

Sie betraten einen weiteren Raum, in dem sich ebenfalls eine kleine Bar befand. Zusätzlich gab es einige Sitzgelegenheiten aus bunt zusammengewürfelten Stühlen und Hockern. Mitten unter dem Wirr Warr befand sich sogar eine dunkelrote, barocke Couch, auf der sich bereits die ersten Gäste räkelten. Carolins Herz begann vor Aufregung immer schneller zu schlagen. Sie konnte ihre Gefühle noch nicht korrekt einordnen, sie wusste noch nicht, was sie innerlich so aufkratzte. Die Tatsache, dass sie an so einer Art von Party noch nie teilgenommen hatte oder die Tatsache, dass es sie irgendwie anmachte. Nick führte sie an die Bar und bestellte zwei Drinks. Caro musste immer wieder zu der Couch sehen und beobachtete aufgeregt die beiden Frauen und den Mann, die sich gefühlvoll und gleichzeitig fordernd abwechselnd küssten. Ob wohl eine der Frauen die Ehefrau des Mannes war? Mit einem Mal vergaß sie alles rund um sich. Die leise, stimmungsvolle Hintergrundmusik, um die Gäste zu animieren. Oder die Tatsache, dass sie hier in Spitzenunterwäsche und einem durchsichtigen Kleidchen saß und sich damit definitiv nicht wohl fühlte. »Los, runter damit. Das wird dich ein bisschen auflockern«, flüsterte Nick ihr ins Ohr und riss sie dadurch aus ihren Gedanken. Sie setzte das Glas an ihre Lippen und leerte es mit einem großen Schluck. Der Whiskey brannte in ihrer Kehle, sodass sie husten musste. »Alles in Ordnung?«, fragte der Barkeeper besorgt nach. Caro nickte. »Ja danke. Alles in Ordnung.« »Kann ich ihnen noch etwas bringen?« »Am besten nochmal das Gleiche.« Der Barkeeper nickte und keine zehn Sekunden später stand bereits der nächste Drink vor Carolin. »Jetzt gehst du aber ran«, neckte sie Nick und zwinkerte ihr zu. »Ich muss mich irgendwie betäuben«, antwortete sie mehr im Spaß. »Du wirst ihn bestimmt noch benötigen, deinen Whiskey.« »Willst du mir unterstellen, dass ich das hier nicht gebacken kriege?« »Nicht deswegen.« »Warum denn dann?« »Weil sie gerade zur Tür herein gekommen ist.« Caro blieb kurz der Atem weg. »Wo ist sie?« Aufgekratzt drehte sie sich in Richtung Eingang und erblickte die Frau. »Bist du bereit?« Nick legte fragend seine Hand auf ihre Schulter. Caro griff zu ihrem Drink, leerte ihn wieder in einem Zug und stand mit zittrigen Beinen auf. Danach richtete sie sich ihre ebenfalls aus Spitze bestehende Maske zurecht und nickte im zu. »Ich bin bereit«, flüsterte sie leise und gemeinsam gingen sie auf die Frau zu.

Die beiden mussten sich bereits durch eine größere Menschenmenge kämpfen. Nick hatte sie fest im Griff und achtete darauf, dass sich Caro niemand ungefragt nähern konnte. In der Nähe der Frau angekommen, platzierten sie sich so, dass sie die Gespräche der Frau mitlauschen konnten. »Danke für ihre Anteilnahme.« Frau Mayer nickte betroffen. »Die Polizei vermutet derzeit, dass er sich selbst etwas angetan haben muss. Es gab ja nie das geringste Anzeichen dafür, dass mein lieber Sohn Feinde hatte.« Betont betroffen neigte die Frau ihren Kopf und wischte sich eine kleine, unscheinbare Träne von ihrer Wange. Sekunden später schien sie sich wieder gefangen zu haben und lenkte in ein anderes Gesprächsthema. »Wie laufen bei ihnen die Geschäfte? Ich hörte von meinem Mann, dass es derzeit nicht so läuft, wie es laufen sollte?« »Meine Liebe, merken sie sich. Es läuft nie so, wie es soll.« Frau Mayer lachte auf und ihr Gesprächspartner stimmte mit ein. »Darf ich ihnen noch einen Drink ausgeben?« »Sehr gerne. Noch ein Gläschen Champagner wäre toll.« »Kommt sofort«, antwortete der ältere Herr und verschwand in der Menge. Nick stieß Carolin sanft mit seinem Ellenbogen in ihre Hüfte. »Jetzt hast du freie Bahn.« »Ich weiß doch gar nicht, wie ich sie ansprechen soll. Ich habe keinerlei Erfahrungen mit Swinger-Partys.« Carolin sah Nick hilfesuchend an. »Ich etwa schon?« Gespielt schockiert sah er in ihre Augen. In diesem Moment verspürte er wieder Lust auf sie, wie bereits mehrmals an diesem Abend. Es war auch nicht sehr hilfreich, dass sie diese sexy Unterwäsche trug. Doch er hatte sich geschworen, ihr zu helfen und nicht zu vernaschen. Obwohl der Gedanke daran sehr verlockend war. »Ich weiß nicht, Caro. Ich denke, du kannst sie ganz normal ansprechen, so als ob alle komplett bekleidet wären. Ich denke, das macht keinen Unterschied.« »Aber was soll ich sagen?« »Wie wäre es, wenn du sie gleich direkt darauf ansprichst. Auf ihren Sohn.« »Meinst du?« Er sah sie an und nickte zustimmend. »Okay«, flüsterte sie ihm zu. »Wünsch mir Glück.«

Kurze Zeit später hatte Caro sich überwunden und Frau Mayer auf ihren Sohn angesprochen. »Ich habe zufällig das Gespräch mitbekommen. Wie war er denn so, ihr Sohn?« »Ein wundervoller Mensch war er«, antwortete sie mehr genervt als zuvorkommend. Carolin ignorierte das Verhalten ihrer Gesprächspartnerin und fragte weiter: »Ich habe auch mitbekommen, dass die Polizei vermutet, dass er den Freitod gewählt hätte?« Frau Mayer bedachte sie mit einem weiteren argwöhnischen Blick. Plötzlich weiteten sich ihre Augen. »Jetzt erkenne ich sie. Sie unverschämte Person! Wie können sie es wagen, mir hier aufzulauern!« Caro versuchte einzulenken. »Bitte! Beruhigen sie sich. Ich will doch nur ein paar Fragen über ihren Sohn stellen.« »Ich werde ihnen bestimmt keine Fragen beantworten«, fauchte die ältere Frau. Nick stellte sich zwischen die streitenden Frauen. »Hören sie mir nun gut zu. Es ist ein mehrteiliger Zeitungsartikel geplant und meine Freundin muss ihn schreiben. Und es liegt in ihrer Hand, in welchem Licht sie ihren Sohn und ihre Familie dastehen lässt. Haben sie mich verstanden?« Frau Mayer blieb ihr Mund offen stehen. »Sie drohen mir?« Nick sah sie aus zusammengekniffenen Augen an. »Es ist keine Drohung sondern nur ein Vorschlag.« »So, du hübsches Ding. Hier ist dein Champagner«, flötete der ältere Mann und unterbrach damit die Unterhaltung. Er drückte Frau Mayer das Glas in die Hand und hob seine Augenbrauen. »Wollen wir zwei Hübschen dann ins Separee?« Frau Mayer bedachte Caro und Nick mit einem seltsamen Blick und sagte zu Carolin: »Okay, sie bekommen von mir was sie wollen, wenn ich bekomme, was ich will.« Die Journalistin hob fragend die linke Augenbraue. »Okay. Was wollen sie?« Die ältere Frau grinste über das ganze Gesicht, dreht sich zu ihrem Champagnerspender um und antwortete ihm. »Lass uns ins Separee gehen. Ich habe für uns gerade noch zwei Spielgefährten gefunden.«

Das Herz pochte schnell unter der Brust und er kämpfte genauso wie die junge Reporterin am anderen Ende der Stadt gegen eine aufkeimende Angstattacke. Dieser verdammte Lautsprecher krächzte nun bereits eine gefühlte Stunde vor sich hin. Immer wieder hörte Jonas dazwischen eine Stimme wispern, ohne dabei verstehen zu können, was diese Stimme sagte. »Dreht diese Scheiße ab! Das hält doch keine Sau aus!«, plärrte er in die Dunkelheit. Das Deckenlicht wurde gleichzeitig mit Beginn des Krächzens abgeschaltet. Plötzlich wurde es still. Weicheier. Dieser Gedanke erheiterte Jonas ungemein. Sie sind und bleiben ewig die Verlierer. Er grinste in sich hinein doch hütete er sich davor, seine Gedanken laut auszusprechen. Denn obwohl sie doch Weicheier waren, wollte er nichts mehr riskieren. Er wollte einfach nur Ruhe, damit er wieder einen klaren Gedanken fassen und über seine Fluchtmöglichkeiten nachdenken konnte. »Es bringt nichts, das hast du jetzt auch bemerkt, oder?« »Ja. Was hältst du davon, wenn wir für eine Dauerbeschallung mit grässlicher Technomusik sorgen?« Ein verschmitztes Lächeln umspielte ihre purpurrot geschminkten Lippen. »Dann such mal die Musik aus. Schließlich weißt du als bester Freund am besten, was ihm gefällt.« Sie bemerkte ein Aufblitzen in Markus Augen. Sofort machte er sich ans Werk und suchte auf einer Videoplattform eine Technoplaylist. »Gefunden! Fünf Stunden purer Techno, bitte schön.« Mit diesen Worten drückte er auf Play und sofort plärrte die Musik über den Lautsprecher auf Jonas ein. Er schrie, dass sie die Musik abstellen sollten, doch er konnte sich nicht mal selbst bei diesem Lärm hören.

Stunden später, nachdem die Playlist bereits komplett abgespielt war, hockte Jonas in einer Ecke des dunklen Raums und weinte. Leise wimmerte er immer wieder die gleichen Worte vor sich hin. »Es tut mir leid. Lasst mich bitte gehen. Es tut mir so leid.« Doch niemanden schienen seine Worte zu interessieren. Jonas hatte jegliches Zeitgefühl verloren. Er wusste nicht, wie lange er bereits in diesem Keller eingesperrt war oder wie lange nun die Stille bereits anhielt. Er war auf jeden Fall froh, dass die Musik nun vorbei war, und trotzdem schmerzten ihn seine Ohren aufgrund der lauten Stille, die über ihn hereingebrochen war. Ein lautes Geräusch ließ ihn hochschrecken. Zuerst wusste er nicht, woher dieses Geräusch kam, aber als plötzlich eine Person im Raum stand, wusste er, dass das Geräusch vom Öffnen der Tür stammte. Jonas keuchte. »Was wollt ihr von mir?« »Wir wollen eigentlich gar nichts von dir. Nun gut. Vielleicht eine Entschuldigung. Das wäre das Mindeste.« Jonas Herz erkannte sofort die Stimme. »Es freut mich dich wiederzusehen, Jonas Franz Mayer!«


Wie geht es weiter?

A: Die Stimme gehört seinem ehemals besten Freund Markus.
B: Es handelt sich um seine Schwester.

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Das Formular ist bis 19.08.2018 um 20:00 Uhr geöffnet.




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