04. Kapitel - Geheimnisse


So wurde entschieden - A: Er kommt wieder im Kellerraum zu sich.


»So langsam habe ich das Gefühl, dass sie nicht mit mir sprechen will! Ach was! Ja? Wann ist sie denn erreichbar? Aber. Okay. Ich melde mich morgen nochmals. Könnten sie ihr bitte ausrichten …?« Carolin knallte den Telefonhörer auf den Apparat. »Dumme Kuh! Legt einfach auf!« »Was ist denn hier los?« Benno steckte seinen Kopf durch die halb offen stehende Bürotür. Als er Carolin anblickte hob er überrascht seine rechte Augenbraue. »Wie siehst du denn aus? Dir stehen wortwörtlich deine Haare zu Berge!« Er verfiel in ein fast verrückt klingendes Gelächter. Sie fuhr sich mit ihrer Hand über das Haar, um es zu bändigen. »Das ist mein geringstes Problem«, antwortete sie wütend. »Die Mutter von Jon F. May hat ihren Wachhund vorgeschickt, um mich von ihr fern zu halten.« »Kleines. Das wird dich doch nicht davon abhalten, mit ihr trotzdem reden zu können.« »Aber wie soll ich denn an seine Mutter ran kommen? Sie ließ mir ausrichten, dass ich ein Interview bekommen habe. Mehr wird es nicht geben.« Benno sah sie eindringlich an. »Ich sage es noch einmal. Das wird dich nicht davon abhalten.« Carolin blickte auf und direkt in seine Augen. Mit einem Mal hatte sie die Botschaft von ihm verstanden. Es war ihm offensichtlich gleichgültig, wie sie an die Informationen über den Autor ran kam. Hauptsache sie bekam sie und schrieb ihre Geschichte. Sie nickte ihm kurz zu. »Okay. Ich lasse mir etwas einfallen«, versprach sie ihm. »Ich wusste, dass du mich nicht enttäuschen wirst.« Mit diesen Worten verließ er das Büro. »Schönen Abend, Kleines!« Er verschwand um die Ecke und Carolin hörte kurz darauf die Eingangstür ins Schloss fallen. Eine quälend lange andauernde Stunde später beschloss sie, ebenfalls nachhause zu gehen. Sie blickte auf die Uhr. Kurz vor achtzehn Uhr. Frustriert musste sie feststellen, dass sie zu keiner Lösung ihres Problems gekommen war. Die junge Frau klappte ihren Laptop zu, schnappte sich ihre Handtasche und verließ schnellen Schrittes das Gebäude. Während sie in ihren Wagen stieg, beschloss sie noch kurz ihren Exfreund zu besuchen. Sie musste jemandem ihr Leid klagen und mit Sarah wollte sie nicht sprechen. Nicht über ihre Schwäche.

Zwanzig Minuten später öffnete sie die Ladentür der Bar. Ihre Augen schweiften suchend durch den Raum und sie fühlte Erleichterung als sie ihn erblickte. Sie begann zu lächeln. »Hey Nick!« Der Mann stand mit dem Rücken zu ihr und räumte gerade benutzte Gläser vom Tisch. Als er Carolins Stimme vernahm ließ er sofort alles liegen und stehen und kam auf sie zu. Er strahlte sie an und küsste sie vorsichtig auf die Wange. »Hey Caro. Freut mich dich zu sehen.« Sie blickte verlegen auf den Boden. »Mich auch.« »Was ist los? Es ist nicht typisch, dass du wochentags in der Bar vorbei kommst.« Carolin nickte bestätigend und sah in seine dunkelbraunen Augen. Sie bemerkte wieder dieses Gefühl, dass sich wärmend in ihrer Magengegend ausbreitete, doch sie unterdrückte den Impuls sofort. »Kann ich ein Bier haben?« Mit diesen Worten steuerte sie zur Theke. Nick begab sich hinter den Tresen und zapfte ihr ein frisches Glas. Verstohlen betrachtete sie seine Hände, wie sie das Glas fest im Griff hatte. Die kunstvoll tätowierten Unterarme wurden durch die aufgekrempelten Hemdärmel gekonnt in Szene gesetzt. Carolin fühlte sich wohl und sicher in seiner Nähe. Das war schon immer so und das war auch der Grund, warum sie sich in ihn verliebt hatte. Sie hatte nie auf die bösen Jungs voller Tattoos gestanden. Früher waren es eher die kultivierten und studierten Männer in schicken Anzügen. Erfolgreiche Männer mit Zukunftsperspektive und Einfluss. Doch nach dieser Nacht war einfach alles anders. Nach dieser Nacht ist Nick in ihr Leben gestolpert. Oder wohl eher sie in seines.

»Was ist los, Caro?« Nick holte sie mit seinen Worten aus ihren Gedanken. Sie hob das Bierglas und trank einen Schluck. Sie schüttelte den Kopf. »Ach. Eigentlich nichts Schlimmes.« »Eigentlich?« »Ja. Es geht um meinen Job. Ich muss eine mehrteilige Story schreiben und die Familie des Vermissten setzt aber alles daran, dass ich nicht an sie ran komme.« Nick stütze sich ihr gegenüber auf dem Tresen ab, legte seine Stirn in Falten und dachte kurz nach. »Welche Story? Über was musst du schreiben?« Carolin amtete schwer aus. Sie überlegte kurz, ob sie ihm alles erzählen oder gewisse Details verschweigen sollte. Nach einem weiteren großen Schluck Bier sah sie sich kurz in der Bar um. Aufgrund der Uhrzeit war die Bar noch fast leer. Nur zwei weitere Männer saßen am anderen Ende der Theke und waren bereits sichtlich betrunken. Sie wusste, dass die beiden zu Nicks Stammgästen zählten und wahrscheinlich schon mindestens ein Jahr nicht mehr nüchtern waren. In der hinteren Ecke blinkte ein Dartautomat fröhlich vor sich hin. So als ob er die Anwesenden dazu animieren wollte, Pfeile auf ihn abzuschießen. Gleich daneben befand sich die Tür zu den Toiletten. In der anderen Ecke saß ein junges Pärchen. Sie knutschten wild miteinander, während sich seine Hand bereits unter ihrem T-Shirt befand. »Ich musste die beiden schon ermahnen, dass sie rausfliegen, wenn ich auch nur einen Nippel sehe.« Nick lenkte durch die Aussage Carolins Aufmerksamkeit wieder auf sich. Sie blickte wieder in seine Augen und brachte ein Lächeln zustande. »Also. Um wen geht es in deiner Story?« Nach einer kurzen Pause begann sie zu erzählen, dass es sich bei der Story um den vermissten Bestsellerautoren Jon F. May handelte. Sie erklärte Nick, dass sie die Story über diesen Mann nicht schreiben wollte, doch ihr Boss sie so unter Druck gesetzt hat, dass sie doch zugesagt hatte. Da sie bereits einmal ein kurzes Interview mit der Mutter des Vermissten hatte, dachte sie, dass es für sie kein Problem war und sie die mehrteilige Story schnell über die Bühne bringen konnte. Doch sie hatte sich getäuscht. Tagelang versuchte sie bereits, einen Termin mit Frau Mayer zu finden, doch ihre Sekretärin wimmelte sie immer wieder ab. Nick hörte Carolin aufmerksam zu, wie auch früher schon. Er war der einzige Mensch, der fast alles von ihr wusste. Und das machte ihn für sie unbezahlbar und unheimlich wichtig. Er war ihr Fels in der Brandung und sie liebte ihn immer noch. Trotzdem war es besser, die Beziehung zu beenden, auch wenn Nick es lange nicht verstanden hatte. Jetzt hatte er es akzeptiert. Wenn sie in seiner Nähe war, dachte sie nie an Sarah und hatte auch kein schlechtes Gewissen ihr gegenüber. Schließlich betrog sie sie nicht. Zumindest nicht in sexueller Hinsicht.

Nick wartete geduldig, bis sie mit ihrem Klagelied fertig war. Erst dann fragte er: »Der Bestsellerautor heißt im richtigen Namen Mayer?!« Er sah sie mit großen Augen an und begann ohne Vorwarnung lauthals zu lachen. Caro musste automatisch mit einstimmen. Er konnte sie immer wieder zum Lachen bringen und sie wusste, dass es einer seiner Aufmunterungsversuche war. Und er funktionierte. »Ja! Er heißt Jonas Franz Mayer.« Sie lachten weiter bis Caro Tränen über die Wangen liefen. Als sie sich beruhigt hatten meinte Nick: »Ich denke ich kann dir helfen.« Sie sah ihn mit großen Augen an. »Wie denn?« »Du weißt doch. Ich kenne Leute, die man lieber nicht kennen sollte. Und die kennen wieder Leute.« »Ich weiß, aber wie soll mir das weiterhelfen, an Frau Mayer ran zu kommen?« Caro verstand nun gar nichts mehr. »Dann höre mir mal aufmerksam zu.« Nick rückte näher und flüsterte ihr sein Geheimnis ins Ohr.

Die Stimme war sehr leise. Fast nicht zu verstehen und doch war sie präsent genug, um ihn wieder ins Bewusstsein zu holen. Er öffnete langsam seine verquollenen Augen und blinzelte gegen das Licht, dass durch das kleine Fenster in den Kellerraum fiel. »Er kommt zu sich«, flüsterte eine männliche Stimme erleichtert. Jonas war sich nicht sicher, ob er sich die Stimme nur einbildete oder sie tatsächlich hörte. Mit brummendem Schädel setzte er sich auf und lehnte sich gegen die Kellerwand. Aufgrund seines flauen Magens nahm er den modrigen Geruch noch stärker wahr. Eine plötzliche Übelkeit überkam ihn. Obwohl er versuchte, sich dagegen zu wehren, musste er sich übergeben. »Kotzt der mir meinen Keller voll!«, ertönte es über einen kleinen Lautsprecher. Jonas erschrak. Er wischte sich den Mund mit seinem Ärmel ab und sah in Richtung der Stimme. Aufgrund des einfallenden Lichtes ist es nun heller als vor seinem Fluchtversuch. Deswegen konnte er den Lautsprecher sofort finden und mit Entsetzen stellte er fest, dass gleich daneben eine kleine Kamera installiert wurde. Panik überkam Jonas und er begann zu schreien. »Was wollt ihr Schweine von mir? Lasst mich gehen!« Der Lautsprecher rauschte. Mehr war nicht zu hören. »Du bist doch meine Mutter! Was stimmt mit deinem kranken Gehirn nicht! Lass mich hier raus!« Ein weiteres Rauschen war zu hören. »Du hast unser Leben zerstört, mein Sohn. Also werde ich einen Dreck tun und dich hier raus lassen, ohne dass du dafür büßt.« »Die Polizei sucht bestimmt schon nach mir!« »Das mag sein. Doch sie werden dich nicht finden. Wir sind hier in einem Haus, weit abgelegen, von dem niemand weiß, dass es unserer Familie gehört. Ein kleines Familiengeheimnis quasi.« Jonas Atem wurde schwerer. Verzweifelter. »Was wollt ihr von mir?« »Buße.« Ein lautes Knacken drang aus dem Lautsprecher, gefolgt von monotonem Rauschen.

Jonas war so erschöpft, dass er aufgrund der anhaltenden Stille einnickte. Dumpfe Geräusche holten ihn nach kurzer Zeit aus seinem traumlosen Schlaf. Erst jetzt bemerkte er, dass er mit dem Gesicht in seinem eigenen Erbrochenen gelegen war. Der Geruch ließ ihn wieder würgen, während er sein Gesicht abwischte. Nun fiel ihm auf, dass es wieder dunkel war und sich gerade jemand darum bemühte, das kleine Fenster von außen mit Holzlatten zu verschließen. »Schweine!«, schrie er wütend! »Ihr verdammten Schweine!« Ein leises, summendes Geräusch verriet, dass die Kamera gerade im Einsatz war. Ein weiteres Knacken ertönte aus dem Lautsprecher und Jonas überkam ein starkes Gefühl der Angst.


Wie geht es weiter?

A: Er hört etwas über den Lautsprecher.
B: Die Tür wird von jemandem aufgesperrt.


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Das Formular ist bis 29.07.2018 um 20:00 Uhr geöffnet.



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